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Die Oberstufe


9. Klasse 

Die neunte Klasse ist ein Jahr des Übergangs. Für die Schüler ist vieles neu und sie müssen sich erst hineinfinden. Wenn sie die neuen Entfaltungsmöglichkeiten, die ihnen die Oberstufe eröffnet, ergriffen und ihren Alltag organisiert haben, kommen sie mit dem System meist gut zurecht.

Die Hauptunterrichtsepochen werden nun nicht mehr vom Klassenlehrer als „Generalisten“ unterrichtet, sondern von Spezialisten für die einzelnen Fächer. Das heißt für die Schüler, dass alle drei bis vier Wochen ein anderer Fachlehrer morgens die ersten beiden Stunden gestaltet. Die Jugendlichen müssen sich umstellen, mit verschiedenen Persönlichkeiten und deren Stilen auskommen lernen. Dadurch haben sie die Chance, sich Lehrern, die sie noch nicht kennen, ganz neu zu präsentieren und unter Umständen aus eingefahrenen Rollen herauszukommen, sich selbst und andere neu zu entdecken und auszuprobieren. An die Stelle des Klassenlehrers tritt nun das Oberstufenkollegium. Der Tutor, der die Klasse von der 9. bis 12. Klasse begleitet, ist Vermittler und Koordinator auf dem Weg zur Selbstständigkeit der Schüler. Das entspricht dem Lebensalter des Jugendlichen, der mehr und mehr aufgerufen ist, sich selbst zu positionieren und zu organisieren.

Die künstlerisch-praktischen Fächer (Schreinern, Korbflechten, Keramik, Kupfertreiben und Plastizieren) kommen hinzu. 
Jeder Schüler arbeitet 4 Wochen in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit und erfährt im Tun und Mitleben die dortige Lebensrealität.

10. Klasse

Ein latentes Bedürfnis nach Objektivität, Ordnung und Gesetzmäßigkeit von außen, bestimmt die Lebenshaltung der Zehntklässler. Der nun von den meisten Schülern erreichten Reife, wird versucht dadurch Rechnung zu tragen, indem sie nun mit „Sie“ angesprochen werden.

Der Gesichtspunkt, unter dem der Durchgang durch die Geschichte noch einmal mit der archäologischen Feldforschung und den frühen Hochkulturen beginnt, passt zum praktisch-materiellen Ansatz der Zehntklässler: die Abhängigkeit der Kulturentwicklung von geographischen und klimatischen Voraussetzungen.
Die zehntägige Feldmessfahrt, angewandte Dreiecksgeometrie mit Sinus und Cosinus im Gelände und die Erarbeitung einer genauen Karte mit Hilfe verschiedener Messgeräte, bringt die Schüler immer wieder in Situationen, in denen sie ihre Ergebnisse an der Realität korrigieren müssen.

In der Kunstgeschichte werden Kunstwerke als original angesehen und die Schüler*innen erarbeiten sich zeichnend verschiedenen Kunstwerke.
Ein mehrwöchiges Handwerkspraktikum in einen eigens gesuchten Handwerksbetrieb konfrontiert mit der Arbeitsrealität und den Bedingungen der Berufswelt.

11. Klasse

Im elften Schuljahr kann man bei den Schülern oft eine Verinnerlichung und Sensibilisierung erleben und zugleich eine Tendenz, sich zurück zu ziehen. Die Gedanken und Gefühle verfeinern sich. Tiefe Fragen und ein starkes Mitempfinden der Sorgen und Probleme anderer Menschen zeigen sich bisweilen im Unterrichtsgespräch.

Wolfram von Eschenbachs Parzival im Deutschunterricht führt an die Bedeutung des Fragens und Mitleidens heran – der Mensch als jemand, der die Qualität des Fragens und die richtige Haltung im Leben sich erst erringen muss.

In der Projektiven Geometrie werden die Schüler an Vorstellungsgrenzen herangeführt; das erfordert Beweglichkeit im Denken.
Auch im Mikroskopieren wird normalerweise nicht Sichtbares erforschbar; die Dimensionen des Wahrnehmens erweitern sich. In der Kunstgeschichte wird an der Beschäftigung mit Werken Wassili Kandinskys der Schritt zur ungegenständlichen Kunst nachvollzogen. Der Eigenwert von Farben und Formen zeigt sich, wenn kein Gegenstand mehr den Blick darauf verstellt.

In diesem Jahr führt das mehrwöchige Praktikum in eine soziale Einrichtung, der Mensch in seinen unterschiedlichen Lebenswelten steht im Mittelpunkt.

12.  Klasse

Der Waldorfabschluss soll den Schülern die Möglichkeit geben, die Fähigkeiten, die sie sich im Lauf ihrer Schulzeit erworben haben, umfassend zu präsentieren.

Die 12. Klasse ist der krönende Abschluss der Waldorf-Schulzeit. Hier wird alles Wissen der vergangenen Jahre zusammengetragen, die jungen Erwachsenen können es nun im Überblick betrachten. Gleichzeitig wird mit der Jahresarbeit die individuelle Vertiefung eines Spezialthemas ergriffen.

Zunächst geht es darum, im Fach Eurythmie, das den Schülern seit der ersten Klasse in vielfältiger Weise bei der Entfaltung ihrer inneren und äußeren Beweglichkeit geholfen hat, Soli und Gruppenformen (auf Musikstücke und Texte), die sie z. T. selbst entwickelt haben, zu erarbeiten und in einer größeren Aufführung öffentlich vorzuführen.
Der zweite Teil des Waldorfabschlusses ist eine individuelle Jahresarbeit. Jeder Schüler befasst sich über etwa ein Jahr intensiv mit einem selbst gewählten Thema, das einen praktischen (handwerklichen oder künstlerischen) und einen theoretisch-wissenschaftlichen Teil umfasst und in schriftlicher Form, einem Vortrag und einer Ausstellung präsentiert wird.
Ein von der Klasse in allen Teilen selbständig zu erarbeitendem Theaterstück bildet den dritten Teil des Abschlusses. Jeder Schüler übernimmt außer seiner Rolle auf der Bühne eine Aufgabe im Hintergrund (Werbung, Kostüme, Maske, Requisiten, Bühnenbild usw.). Im Prozess der Erarbeitung und bei den Aufführungen werden Verantwortlichkeit, Kreativität und Teamfähigkeit auf eine intensive Probe gestellt.

In der 12. Klasse ist es an unserer Schule zusätzlich möglich, die Mittlere Reife abzulegen. Die fachlichen Vorbereitungen erfolgen hierzu mit den zugehörigen Schülern und Schülerinnen bereits ab der 11. Klasse. Es handelt sich um eine von unserer Schule durchgeführte zentrale Prüfung unter Vorsitz des Schulamtes.